RoHS einfach erklärt – Beschränkung gefährlicher Stoffe in Elektronik
RoHS einfach erklärt – Grundlagen zur Beschränkung gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten
Die RoHS-Richtlinie (Restriction of Hazardous Substances) ist eine zentrale EU-Vorschrift für Elektro- und Elektronikgeräte (EEE). Sie beschränkt die Verwendung von zehn gefährlichen Stoffen, die Mensch und Umwelt schädigen können. Für Hersteller, Importeure und Händler – auch im E-Commerce – bedeutet das: Nur RoHS-konforme Produkte dürfen in den europäischen Markt gelangen.
Doch was genau bedeutet RoHS? Welche Stoffe und Produkte sind betroffen? Und wie können Unternehmen sicherstellen, dass sie rechtskonform bleiben? Dieser Grundlagenartikel gibt dir einen Überblick.
Warum gibt es die RoHS-Richtlinie?
Elektronik ist allgegenwärtig – vom Smartphone über Haushaltsgeräte bis hin zu Kinderspielzeug. Viele dieser Produkte enthalten jedoch Stoffe wie Blei, Quecksilber oder Cadmium, die giftig sind. Ohne Regulierung gelangen diese Chemikalien in den Abfallkreislauf und gefährden Umwelt, Recyclingprozesse und letztlich auch die Gesundheit von Menschen.
Die EU hat mit der RoHS-Richtlinie eine klare Vorgabe geschaffen: Gefährliche Stoffe in Elektronikprodukten dürfen nur in minimalen Spuren vorkommen. Ziel ist es, Risiken zu reduzieren und den Weg in eine nachhaltigere Kreislaufwirtschaft zu ebnen.
Welche Stoffe regelt RoHS?
Die aktuelle RoHS-Richtlinie beschränkt zehn Substanzen. Diese dürfen in neuen Elektro- und Elektronikprodukten jeweils nur bis zu bestimmten Grenzwerten vorkommen:
- Blei (Pb) – max. 0,1 %
- Quecksilber (Hg) – max. 0,1 %
- Cadmium (Cd) – max. 0,01 %
- Sechswertiges Chrom (Cr VI) – max. 0,1 %
- PBB (Polybromierte Biphenyle) – max. 0,1 %
- PBDE (Polybromierte Diphenylether) – max. 0,1 %
- DEHP (Weichmacher) – max. 0,1 %
- BBP (Weichmacher) – max. 0,1 %
- DBP (Weichmacher) – max. 0,1 %
- DIBP (Weichmacher) – max. 0,1 %
👉 Diese Liste ist nicht statisch: Die EU überprüft regelmäßig, ob weitere Stoffe aufgenommen werden müssen.
Welche Produkte sind betroffen?
Die RoHS-Richtlinie gilt für fast alle Elektro- und Elektronikgeräte, darunter:
- Haushaltsgeräte (z. B. Kühlschränke, Waschmaschinen, Staubsauger)
- IT- und Telekommunikationsgeräte (Smartphones, Computer, Router)
- Unterhaltungselektronik (Fernseher, Lautsprecher, Konsolen)
- Beleuchtung (LEDs, Lampen, Leuchten)
- Elektrowerkzeuge und Gartengeräte
- Spielzeug mit Elektronik
Auch Bauteile und Kabel fallen in den Geltungsbereich. Bestimmte militärische und medizinische Geräte sind jedoch teilweise ausgenommen.
Wer ist verantwortlich?
Die Verantwortung für RoHS-Compliance liegt in der gesamten Lieferkette:
- Hersteller – müssen sicherstellen, dass Produkte die Stoffgrenzen einhalten.
- Importeure – dürfen nur konforme Produkte in die EU einführen.
- Händler – sind verpflichtet, nur Produkte mit gültigen Konformitätsnachweisen anzubieten.
Welche Pflichten entstehen aus RoHS?
Für Unternehmen bedeutet RoHS nicht nur „Gefahrstoffe reduzieren“, sondern auch umfangreiche Dokumentationspflichten:
- Technische Unterlagen – Nachweise, Prüfberichte und Materialdaten.
- EU-Konformitätserklärung (DoC) – Bestätigung, dass das Produkt RoHS-konform ist.
- CE-Kennzeichnung – darf nur aufgebracht werden, wenn RoHS eingehalten wird.
- Behördenzugriff – Dokumente müssen jederzeit vorgelegt werden können.
Herausforderungen in der Praxis
Gerade für E-Commerce-Unternehmen gibt es typische Probleme bei RoHS:
- Lieferantendaten fehlen – nicht alle Hersteller geben vollständige Stoffinformationen.
- Komplexe Produkte – elektronische Geräte enthalten viele Bauteile mit unterschiedlichen Materialquellen.
- Plattformdruck – Marktplätze wie Amazon fordern RoHS-Nachweise, bevor Produkte gelistet werden.
- Ständige Änderungen – neue Stoffe oder Grenzwerte erfordern schnelle Anpassungen.
Tipps für Hersteller und Händler
Damit RoHS-Compliance nicht zum Stolperstein wird:
- Fordere Konformitätsnachweise systematisch von Lieferanten ein.
- Zentralisiere deine Produktdaten – statt verstreuter Excel-Dateien.
- Überwache Grenzwerte und Updates der Richtlinie regelmäßig.
- Automatisiere deine Prozesse – Systeme wie noknots validieren Produktdaten, erkennen fehlende RoHS-Informationen und speichern Nachweise zentral ab.
