RoHS-Richtlinie 2011/65/EU

Die RoHS-Richtlinie beschränkt gefährliche Stoffe in Elektrogeräten. Hier findest du Pflichten, Stoffliste & Ausnahmen
August 4, 2025
EU-Verordnungen

RoHS-Richtlinie 2011/65/EU – Pflichten, Ausnahmen und Compliance im Detail

Die RoHS-Richtlinie 2011/65/EU (bekannt als RoHS 2) ist eine der zentralen europäischen Vorschriften im Bereich Produktsicherheit und Umweltschutz. Sie beschränkt den Einsatz von zehn gefährlichen Stoffen in Elektro- und Elektronikgeräten (EEE) und ist unmittelbar mit der CE-Kennzeichnung verknüpft.

Mit der Erweiterung RoHS 3 (2015/863/EU) wurde die Liste um vier Phthalate ergänzt. Seitdem gilt: Ohne RoHS-Konformität ist ein Marktzugang in der EU ausgeschlossen.

Rechtliche Grundlage
  • Richtlinie 2011/65/EU (RoHS 2) – Hauptregelwerk, ersetzt die ursprüngliche RoHS (2002/95/EG).
  • Delegierte Richtlinie (EU) 2015/863 – ergänzt die Stoffliste um vier Phthalate.
  • Verknüpfung mit CE-Kennzeichnung – RoHS ist eine „CE-Richtlinie“. Nur konforme Produkte dürfen das CE-Zeichen tragen.
  • Überwachung durch Marktaufsicht – nationale Behörden prüfen aktiv und können Produkte sperren oder zurückrufen.
Beschränkte Stoffe und Grenzwerte

Die RoHS-Richtlinie beschränkt derzeit zehn Substanzen. Maximale Konzentrationswerte:

  • Blei (Pb) – 0,1 %
  • Quecksilber (Hg) – 0,1 %
  • Cadmium (Cd) – 0,01 %
  • Sechswertiges Chrom (Cr VI) – 0,1 %
  • Polybromierte Biphenyle (PBB) – 0,1 %
  • Polybromierte Diphenylether (PBDE) – 0,1 %
  • Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) – 0,1 %
  • Butylbenzylphthalat (BBP) – 0,1 %
  • Dibutylphthalat (DBP) – 0,1 %
  • Diisobutylphthalat (DIBP) – 0,1 %

👉 Diese Werte gelten für jede homogene Materialkomponente eines Produkts – nicht nur für das Gesamtgewicht.

Geltungsbereich

Die Richtlinie umfasst nahezu alle Elektro- und Elektronikgeräte (EEE), unterteilt in 11 Kategorien, darunter:

  1. Haushaltsgroßgeräte
  2. Haushaltskleingeräte
  3. IT- und Telekommunikationsgeräte
  4. Unterhaltungselektronik
  5. Beleuchtung
  6. Elektrische Werkzeuge
  7. Spielzeug, Freizeit- und Sportgeräte
  8. Medizinprodukte
  9. Überwachungs- und Kontrollinstrumente
  10. Automatische Ausgabegeräte
  11. Sonstige Elektro- und Elektronikgeräte
Ausnahmen

Es gibt jedoch Ausnahmen, z. B. für:

  • bestimmte militärische Geräte
  • große stationäre Maschinen
  • große ortsfeste Anlagen
  • bestimmte Ersatzteile für Altgeräte
  • Medizinprodukte in Übergangsfristen
Pflichten für Hersteller, Importeure und Händler
  1. Hersteller
    • Erstellung einer technischen Dokumentation
    • Ausstellung einer EU-Konformitätserklärung (DoC)
    • Anbringung der CE-Kennzeichnung
    • Sicherstellung fortlaufender Konformität bei Produktänderungen
  2. Importeure
    • Nur Produkte einführen, die RoHS-konform sind
    • Prüfung, ob CE-Kennzeichnung und DoC vorliegen
    • Dokumentation für Marktaufsicht bereithalten
  3. Händler
    • Nur Produkte in Verkehr bringen, die konform gekennzeichnet sind
    • Mitwirkung bei Rückrufen und Behördenanfragen
    • Pflicht zur Kooperation mit Marktüberwachungsbehörden
Konsequenzen bei Verstößen

Verstöße gegen die RoHS-Richtlinie haben ernste Folgen:

  • Verkaufsverbote in der EU
  • Produktrückrufe auf Kosten des Unternehmens
  • Bußgelder und Abmahnungen
  • Plattform-Sperren bei Online-Marktplätzen
Herausforderungen in der Praxis
  • Komplexität der Lieferketten: Viele Bauteile stammen von Drittherstellern, oft ohne vollständige Stoffdaten.
  • Datenmanagement: Stoffnachweise und Zertifikate müssen über Jahre aufbewahrt werden.
  • Regeländerungen: Die Liste beschränkter Stoffe kann jederzeit erweitert werden.
  • Marktplatzanforderungen: Plattformen wie Amazon verlangen Konformitätsdokumente vor der Listung.
Tipps für Compliance-Verantwortliche
  • Lieferanten verpflichten: DoCs und Prüfberichte aktiv einfordern.
  • Zentrale Datenverwaltung: Alle Nachweise an einem Ort statt in verstreuten Excel-Listen.
  • Regelmäßige Updates: Neue Stoffe und Änderungen im Blick behalten.

Hier findest du die aktuelle Fassung.

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